Von der Villa Schmitz zum neuen Haus St. Michael

 

Villa Schmitz 1900 bis 1947

 

Die „Villa Schmitz“ wurde im Jahr 1900 anstelle des dort befindlichen Gutshofes mit der Bezeichnung Josephshof errichtet.

 

Erbauer war Wilhelm Schmitz, der von 1870 bis 1947 lebte. In der Nähe befand sich eine große Sandgrube, in der später das Poststadion erbaut wurde. Auch auf dem Gelände zwischen dem ehemaligen Poststadion und dem Gelände Kölnstr. 315 befand sich wohl eine Sandgrube/Kiesgrube mit einer Ziegelei. Das gesamte Gelände der Familie Schmitz erstreckte sich bis zum heutigen Collegium Josephinum (heute Gymnasium und Realschule für Jungen).

In der Chronik der Heimstatt zum 10jährigen Bestehen ist  nachzulesen, dass in der Villa Schmitz die Heimstatt St. Michael eingerichtet wurde, als 1947 dort Wilhelm Schmitz im Sterben lag. Auf dem Nordfriedhof befindet sich das Familiengrab mit Denkmal. Das Gebäude der Friedhofsverwaltung dort war das Jagdhaus der Gutsbesitzer des Josephshofes bzw. nachher der Villa Schmitz.

Im zweiten Weltkrieg wurde die im neugotischen Stil gebaute Villa stark zerstört.

 

Wohnheim St. Michael 1948 bis 2012

Nachdem in der Nöggerathstraße 1946 die erste Heimstatt für heimatlose Jungen entstanden war, wurde es dort nach 3 Jahren bereits zu eng und man mietete zunächst einige Räume in der alten Villa Schmitz an. Bis 1952 wohnten noch frühere Bedienstete dort und der Anfang war schwer.

1959 wurde die Villa gekauft und es wurden die Kriegsschäden nach und nach repariert.

Von der alten Villa Schmitz existierte danach praktisch nur noch die alte Eingangstür.

Einem Bericht von 1951 entnommen, wurden zunächst zwei Stuben in der Villa Schmitz genutzt. „Es fehlte zunächst an elektrischem Licht und die oberste Etage war wegen eines Dachschadens unbewohnbar. Nur im Keller befand sich eine Wasserleitung. Der Regen drang oft bis in das unterste Stockwerk. In der Küche schlief zunächst die Haushälterin des verstorbenen Hauseigentümers. Die beiden zur Miete wohnenden Familien hielten die sechs besten Räume inne und bereiteten überaus große Schwierigkeiten bei der Ausweitung der Heimstatt.“

Nach 1952 entstanden zunächst 36 Plätze nur für Jungen in Zwei- bis Sechsbettzimmern.

1956 wurde dann die Heimstatt St. Hermann-Josef im rückwärtigen Bereich des Geländes neu erbaut.

Die ehemalige Villa Schmitz wurde das Lehrlingswohnheim St. Michael, St. Hermann-Josef bezeichnete man als Jungmännerwohnheim.

1959 wurde ein Anbau am Haus St. Michael fertiggestellt.

In den 60er Jahren wohnten überwiegend Lehrlinge aus der Eifel und dem Westerwald im Lehrlingsheim, denn die Wirtschaft in Bonn und Umgebung wuchs und man warb Lehrlinge aus strukturschwachen Gebieten an.

In den 70er Jahren kamen dann die sogenannten unbegleiteten Flüchtlinge, Kontingent-flüchtlinge aus Vietnam. Diese Jugendlichen wurden als sogenannte „boatpeople“ von Rupert Neudeck mit dem Schiff Cap Anamur im südchinesischen Meer „aufgefischt“, nachdem der Vietnamkrieg beendet war. Diese Jugendlichen absolvierten einen Intensivkurs „Deutsch“ im Lehrlingsheim und in der nahe gelegenen Hauptschule St. Hedwig.

Es gab auch immer wieder Lehrlinge, die zum Teil auch über die Jugendämter über Amtsvormundschaften finanziert wurden.

In den 80er Jahren ging die Zahl der Lehrlinge zurück und es folgten regelmäßig überwiegend aus Polen und aus der ehemaligen Sowjetunion junge Spätaussiedler, die internatsmäßig untergebracht wurden und ebenfalls Intensivsprachkurse absolvierten.

Aber auch Post-Azubis, Theologiestudenten und Jugendliche im Rahmen von Fürsorgeerziehung wurden im Wohnheim St. Michael untergebracht.

Die Wohnung im ersten Obergeschoss des Anbaus diente lange Zeit als Heimleiterwohnung, Ein Zimmer der Heimleiterwohnung war die Unterkunft für die Hauswirtschaftskraft. Mehrere Hauswirtschaftskräfte sorgten für eine zentrale Vollverpflegung der Jugendlichen. Erst in der 80er Jahren verlagerte sich die Küche in das Jugendwohnheim St. Hermann-Josef für beide Häuser.

Durch den Rückgang von Spätaussiedlern zu Beginn der 1990er Jahre wurde es zunehmend schwieriger alle Plätze der beiden Wohnheime zu belegen.

1990 wurde eine Nutzungsvereinbarung mit der Wohngemeinschaft „Brücke-Krücke“ beim Kath. Jugendamt abgeschlossen. Sechs nicht behinderte und vier behinderte junge Menschen lebten fortan in einer Wohngemeinschaft ohne hauptamtliche pädagogische Betreuung und nach dem Prinzip der Integration (heute Inklusion genannt).

Erster Kooperationspartner für diese Projekt war der Verein „Gemeinsam leben – gemeinsam lernen“ in Bonn.

Der „Anbau“ wurde nach 1990 einige Jahre von einer Wohngemeinschaft erwachsener psychisch kranker Menschen (Verein „Die Kate“) genutzt, später wurden die Räume von Jugendlichen aus dem Jugendwohnen St. Hermann-Josef genutzt. Viele Jahre dienten Räume im Erdgeschoss des Anbaus von St. Michael auch der Geschäftsstelle als Büroräume.

2011 zog die Wohngemeinschaft Brücke-Krücke in ihr neues Domizil nach Bonn-Poppelsdorf (ehemaliges Sebastian Dani-Altenheim, Träger: Caritasverband Bonn).

 

Nach dem Auszug der Wohngemeinschaft Brücke-Krücke entstanden Überlegungen zu einer Ausweitung der Plätze im Bereich der Intensivgruppe in St. Hermann-Josef.

Dabei stellte man mit den beratenden Fachleuten fest, dass das alte Jugendwohnheim nicht mehr den modernen Wohnanforderungen jungen Menschen entsprach und vor allem auch nicht mehr den neuen Brandschutzvorschriften für Jugendwohneinrichtungen entsprach.

Nach längerer Planung entschied sich der Vorstand der Heimstatt e. V. Bonn in Abstimmung mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Bonn für einen Neubau zur Ergänzung der Angebote der Hilfen zur Erziehung im Jugendwohnen St. Hermann-Josef auf dem gleichen Gelände.

 

Neues Haus St. Michael ab 2014

Im Winter 2013 wurde die Villa Schmitz bzw. alte Wohnheim St. Michael abgerissen und der Neubau nach den Plänen des Architekturbüros Koenigs und Schumacher, Bonn begann.

Es entstand eine neue, moderne Jugendwohneinrichtung für 12 junge Menschen sowie Büroräume und einen Mehrzweckraum mit 65 qm Fläche.

Im 2. Obergeschoss entstand eine Intensivgruppe mit sozialtherapeutischer Orientierung mit sechs Plätzen. Im ersten Obergeschoss befinden sich 6 Appartements, wovon drei Plätze der Intensivgruppe im zweiten Obergeschoss zugeordnet werden und drei Plätze der Regelgruppe im Jugendwohnen St. Hermann-Josef.

Insgesamt umfasst das neue Gebäude eine Wohn- und Nutzfläche von mehr als 350 qm.

Spendenkonto

 

Sparkasse Köln Bonn
IBAN: DE16370501981930345523
SWIFT-BIC: COLSDE33


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